In Fliesen bohren, ohne dass sie springen
Ein Loch in eine Fliese zu bohren ist eigentlich keine große Kunst. Das Unverzeihliche daran ist aber, wie schnell etwas schiefgeht: Eine gesprungene Fliese lässt sich nicht reparieren, und zehn Jahre nach dem Verlegen bekommst du eine passende Ersatzfliese praktisch nicht mehr. Deshalb glaube ich dir, wenn du denkst, es gehe um Kraft. Tut es nicht. Es geht um Vorbereitung. Wenn du die drei Hauptfehler kennst, nämlich eingeschaltete Schlagfunktion, den falschen Bohrer und den Bohrer, der abrutscht, hast du das Problem schon fast gelöst.
Das Wichtigste in Kürze
- Mach die Schlag- oder Hammerfunktion aus. Ein eingeschalteter Schlag zerstört die Fliese sofort [1][2].
- Bis Ritzhärte 3 reicht dir ein Fliesen- oder Glasbohrer. Härtere Fliesen und Feinsteinzeug brauchen einen Diamantbohrer [1][3].
- Kleb Malerkrepp über die Bohrstelle und körne dann an, damit der Bohrer nicht abrutscht [1][4].
- Arbeite mit niedriger Drehzahl und wenig Druck. Kühle die Stelle bei Bedarf mit Wasser [1].
- Sobald du durch die Fliese bist, wechsle auf einen Steinbohrer. Erst dann darfst du den Schlag zuschalten [1][5].
Fliese oder Fuge?
Die erste Entscheidung triffst du noch vor dem Bohren: Musst du überhaupt in die Fliese? Ein Loch in der Fuge kannst du später fast unsichtbar mit Fugenmörtel schließen. Ein Loch in der Fliese bleibt dagegen für immer.
Bohre in die Fuge, wenn die Position es dir erlaubt, etwa bei Handtuchhaltern, Haken oder Ablagen, deren Löcher du entsprechend legen kannst. Du solltest aber wissen, dass die Fuge schmal ist, der Bohrer dort leicht zur Seite wegläuft und der Untergrund oft weicher ist, sodass der Dübel weniger trägt.
Bohre niemals ins Fugenkreuz, also dorthin, wo vier Fliesen zusammenstoßen. Dort brechen gleich mehrere Fliesen gleichzeitig aus [6].
Bohre in die Fliese, wenn die Last es verlangt, zum Beispiel bei einem Spiegelschrank oder einer Duschstange, oder wenn die Position vorgegeben ist. Setze das Loch dann möglichst mittig in die Fliese und halte mindestens 2 bis 3 cm Abstand zum Rand, denn am Rand springen Fliesen am leichtesten.

Und wenn du eine Alternative suchst: Für leichte Dinge wie Haken, Seifenschalen oder kleine Ablagen gibt es Klebelösungen, die auf glatten Fliesen dauerhaft halten und keine Löcher hinterlassen [6]. Gerade in Mietwohnungen ist das oft der bessere Weg, denn Bohrlöcher in Fliesen sind dort nicht immer erlaubt [4].
Den richtigen Bohrer wählen
Welchen Bohrer du nimmst, hängt von der Ritzhärte deiner Fliese ab. Die ist nach der Mohs-Skala von 1 bis 10 angegeben [3]:
Fliese | Ritzhärte | Bohrer |
|---|---|---|
Wandfliesen im Bad, glasierte Steingutfliesen | 1 bis 2 | Fliesenbohrer oder Glasbohrer |
Bodenfliesen, Steinzeug | 3 | Fliesenbohrer, ab hier besser Diamant |
Feinsteinzeug, Naturstein, Granit | 4 bis 5+ | Diamantbohrer oder Diamantbohrkrone [1][3] |
Fliesenbohrer haben eine Hartmetallspitze mit Zentrierspitze und mehreren Schneiden. Moderne Exemplare bohren sogar hartes Feinsteinzeug ganz ohne Kühlung [7].
Glasbohrer laufen spitz zu und lassen sich gut positionieren, aber sie eignen sich nur für weiche Fliesen [3].
Diamantbohrer tragen das Material ab, statt es zu schneiden. Dadurch reißen sie weniger aus. Viele haben eine Wachsfüllung, die kühlt, andere musst du mit Wasser kühlen [1][2].
Für große Löcher, etwa für Rohrdurchführungen, nimmst du Diamantbohrkronen, die werden mit Wasser gekühlt [2].

Wie hart deine Fliese ist, steht auf der Verpackung, falls du sie noch hast. Sonst gilt: Feinsteinzeug ist sehr dicht, oft durchgefärbt und im Bruch gleichmäßig, es ist praktisch immer hart. Alte glasierte Wandfliesen sind dagegen weich. Im Zweifel greifst du zum Diamantbohrer, der schadet nie.
Was du brauchst
Was | Wofür |
|---|---|
Passender Bohrer (siehe Tabelle) | Fliese |
Steinbohrer im Dübeldurchmesser | Wand hinter der Fliese |
Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit Drehzahlregelung | Schlag muss abschaltbar sein |
Malerkrepp | Abrutschschutz, Kantenschutz |
Körner oder Anreißnadel, kleiner Hammer | Ankörnen |
Wasserfester Stift | Markieren |
Sprühflasche mit Wasser oder Glas Wasser | Kühlen |
Leitungssucher | Pflicht im Bad, siehe unten |
Schutzbrille | Splitter |
Schritt für Schritt
1. Leitungen und Rohre prüfen
Leitungen und Rohre prüfen Im Bad liegen nicht nur Stromleitungen in der Wand, sondern auch Wasserrohre, oft direkt neben Armaturen und unter dem Waschbecken. Ein Leitungssucher mit Metallmodus findet beides. Zusätzlich gilt im Bad: Rund um Armaturen, Spülkasten und Dusche bohrst du dann nur, wenn du wirklich sicher weißt, wohin die Rohre laufen.
2. Markieren und abkleben
Markiere die Bohrstelle mit einem wasserfesten Stift. Dann klebst du ein Stück Malerkrepp über die Stelle, bei größeren Löchern kreuzweise [4]. Das Krepp erfüllt drei Aufgaben für dich: Der Bohrer rutscht auf der glatten Glasur nicht ab, die Markierung hält auf dem Krepp besser als auf der Fliese, und die Glasur platzt am Bohrlochrand weniger ab [4][5]. Zieh die Markierung noch einmal auf dem Krepp nach.
3. Ankörnen
Klopfe mit Körner oder Anreißnadel einen winzigen Punkt in die Glasur, ganz vorsichtig und ohne Wucht [1][4]. Dieser Punkt führt später die Bohrerspitze. Bei sehr hartem Feinsteinzeug kann das Ankörnen die Glasur beschädigen. Dort nimmst du besser eine Bohrhilfe mit Saugnapf als Führung, oder du setzt den Bohrer schräg an und richtest ihn beim Anbohren langsam auf.
4. Schlag aus, niedrige Drehzahl
Schalte die Schlag- oder Hammerfunktion aus und prüfe das doppelt. Das ist der Fehler, der die Fliese sofort zerstört [1][2][5]. Stell den Akkuschrauber auf den ersten Gang und die Bohrmaschine auf niedrigste Drehzahl.
5. Anbohren
Setze den Bohrer im 90-Grad-Winkel an und starte mit mäßigem Druck. Der Bohrer soll schaben, nicht reißen. Achte aufs Geräusch: Es muss knirschen, nicht pfeifen [5]. Sobald die Glasur durchbrochen ist, läuft der Bohrer ruhiger.
6. Kühlen und Geduld
Bei Feinsteinzeug dauert es eine Weile. Hilf nicht mit Druck nach und gib nicht Vollgas, sonst verglüht dir die Spitze [5]. Setze alle 20 bis 30 Sekunden ab, tauche den Bohrer kurz in Wasser oder sprühe die Stelle an [1][5]. Wird der Bohrer blau oder raucht es, war es zu heiß. Mach eine Pause und arbeite dann mit weniger Druck weiter. Wachsgekühlte Diamantbohrer und moderne Hartmetall-Fliesenbohrer brauchen keine zusätzliche Kühlung [1][7].
7. Durchbruch erkennen und Bohrer wechseln
Sobald du durch die Fliese bist, lässt der Widerstand deutlich nach, du bist im Fliesenkleber oder Putz. Stopp jetzt und zieh den Fliesenbohrer heraus [5]. Bohre nicht mit dem Spezialbohrer weiter ins Mauerwerk, der Steinstaub macht die teure Spitze stumpf [1][5]. Setze stattdessen den Steinbohrer im Dübeldurchmesser ein, führe ihn durch das vorhandene Loch und bohre die Wand [2]. Jetzt darfst du den Schlag zuschalten, wenn die Wand es erfordert [5]. Bei Gipskarton oder Porenbeton hinter der Fliese bleibst du ohne Schlag.
8. Loch säubern, Krepp ab
Blas das Bohrmehl aus und zieh das Krepp vorsichtig ab. Beim Dübeln gilt: Der Dübel gehört hinter die Fliese in die Wand, nicht in die Fliese selbst. Ist deine Fliese dick, muss der Dübel entsprechend länger sein.

Der Sonderfall: Loch in der Dusche
In Duschen und rund um die Wanne liegt hinter den Fliesen eine Verbundabdichtung, die das Wasser von der Wand fernhält. Jedes Bohrloch durchbricht sie. Wenn du dort bohrst, musst du das Loch beim Montieren abdichten. Fülle das Dübelloch mit Sanitärsilikon, bevor die Schraube hineinkommt, und verfuge den Fuß des montierten Teils rundum mit Silikon. Bei bodengleichen Duschen und im Spritzbereich ist eine Klebemontage die sicherere Wahl.
Häufige Fehler
- Du hast den Schlag nicht ausgeschaltet. Der Klassiker [1][2].
- Du hast einen Steinbohrer für die Fliese genommen. Er funktioniert bestenfalls in der Fuge, nicht in der Fliese [3].
- Du hast das Fugenkreuz angebohrt [6].
- Zu viel Druck, zu hohe Drehzahl. Der Bohrer überhitzt und die Fliese bekommt Mikrorisse, die später ausbrechen [3].
- Du hast mit dem Fliesenbohrer in die Wand weitergebohrt [5].
- Du warst zu nah am Fliesenrand.
- Du hast keinen Leitungssucher benutzt.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem normalen Metallbohrer bohren? In sehr weiche Wandfliesen mit etwas Glück, aber er wird schnell stumpf und rutscht ab. Ein Fliesenbohrer kostet wenig und ist einfach die richtige Wahl.
Muss ich wirklich kühlen? Bei Diamantbohrern ohne Wachsfüllung und bei hartem Feinsteinzeug ja, sonst ist die Spitze nach einem Loch hinüber [1]. Bei modernen Hartmetall-Fliesenbohrern in weichen Fliesen nicht zwingend [7].
Die Fliese ist trotzdem gesprungen. Was jetzt? Dann bleibt nur der Austausch: Fugen rundherum ausschneiden, die Fliese mit einem Meißel von der Mitte her herausbrechen, Kleberreste entfernen, neue Fliese einsetzen, verfugen. Ohne Ersatzfliese hilft dir nur eine ehrliche Reparatur mit Fliesenlack oder ein bewusst gesetztes Deko-Element über der Stelle.
Bohren in Mosaikfliesen? Wenn möglich in die Fuge, die ist bei Mosaik breit genug. Sonst wie bei normalen Fliesen, aber mit besonders wenig Druck, weil die kleinen Steine leicht aus dem Netz brechen.
Quellen
[1] Bosch DIY: "Fliesen bohren wie ein Profi – Tipps für schadenfreie Löcher", 01/2022. https://www.bosch-diy.com/de/de/all-about-diy/fliesen-bohren
[2] Hornbach: "Fliesen bohren", 05/2025. https://www.hornbach.de/projekte/fliesen-bohren/
[3] Rosentaler Schrauben Magazin: "Fliesen bohren: Nie wieder kaputte Fliesen dank dieser Anleitung", 02/2026. https://www.rosentaler-schrauben.de/magazin/fliesen-bohren-anleitung/
[4] hausjournal.net: "Fliesen bohren: Anleitung, Video und Tipps", 04/2022. https://www.hausjournal.net/fliesen-bohren
[5] perfektes-werkzeug.de: "Fliesen bohren: In 5 einfachen Schritten ohne Bruch bohren", 02/2026. https://www.perfektes-werkzeug.de/fliesen-bohren-anleitung/
[6] immolister.de: "Fliesen bohren leicht gemacht: Tipps & Tricks", 11/2025. https://immolister.de/fliesen-bohren/
[7] Bosch Professional: Produktseite Fliesenbohrer EXPERT HardCeramic. https://www.bosch-professional.com/de/de/fliesenbohrer-2790341-ocs-ac/
Hinweis: Die Ritzhärte-Zuordnungen sind Richtwerte aus Herstellerangaben. Maßgeblich ist die Angabe auf deinem Bohrer.
