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Alte Tapete entfernen ohne Frust

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Alte Tapete entfernen ohne Frust

Tapete entfernen ist wohl die unbeliebteste Renovierungsarbeit überhaupt, denn abkürzen lässt sie sich nicht. Abkürzen lässt sich aber der Frust! Die meisten quälen sich mit dem Spachtel, weil die Tapete noch nicht richtig durchgeweicht ist. Merk dir deshalb diese Regel: Richtig aufgeweichte Tapete lässt sich abziehen. Wenn du kratzen musst, solltest du weiter nässen, statt dich mit dem Spachtel abzumühen [1].

Das Wichtigste in Kürze

  • Versuche es zuerst trocken. Vliestapeten gehen oft in ganzen Bahnen ab [2][3].
  • Bei allem anderen gilt: perforieren, einweichen, 15 bis 20 Minuten warten, abziehen [2][4].
  • Perforieren lohnt sich bei jeder Tapete, bei Vinyl, Latex und überstrichener Tapete ist es sogar Pflicht [1][2].
  • Auf Gipskarton darfst du keine Stachelwalze benutzen und nur wenig Wasser verwenden, sonst löst sich die Kartonschicht mit ab [5].
  • Sicherheit zuerst: Sicherung aus, Steckdosen und Schalter abnehmen. Wasser und Strom vertragen sich nicht [2].

Schritt 1: Welche Tapete ist das?

Löse an einer Ecke ein Stück und schau dir das Material genau an:

Tapete

Erkennung

Methode

Vlies

reißt nicht, zieht sich in ganzen Bahnen ab, Rückseite filzig

trocken abziehen [2][3]

Raufaser

Papier mit Holzspänen, oft mehrfach überstrichen

perforieren, einweichen [5]

Papiertapete

reißt leicht, saugt Wasser

einweichen, evtl. perforieren [1]

Vinyl / Kunststoff

glatte, wasserabweisende Oberfläche, oft in Bad und Küche

perforieren, einweichen, ggf. Dampf [2]

Zweischichttapete

Oberschicht lässt sich wie ein Aufkleber abziehen, Trägerpapier bleibt

Oberschicht trocken, Träger einweichen oder als Untergrund lassen [2]

Überstrichene Tapete

Farbe versiegelt die Oberfläche

perforieren, mehrfach einweichen, Dampf [4]

Glasfasertapete

Gewebestruktur, sehr fest

oft nur mit Dampf oder gar nicht, Überspachteln erwägen [2]

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Vliestapete ist für dich der Glücksfall. Wenn du heute neu tapezierst, nimm deshalb Vlies mit Vlieskleister. Dann wird das nächste Entfernen eine Sache von Minuten [3].

Schritt 2: Raum vorbereiten

Rechne von Anfang an mit viel Wasser und Schmutz [2]:

  1. Räume die Möbel raus oder stelle sie in die Raummitte und decke sie ab.
  2. Rolle den Teppich ein, lege den Boden mit Folie oder Malervlies aus und fixiere ihn an den Fußleisten mit Krepp [2].
  3. Nimm die Fußleisten ab, wenn sie überstrichen oder übertapeziert sind [2][4].
  4. Schalte die Sicherung aus, nimm dann die Abdeckungen von Steckdosen und Schaltern ab und klebe die Dosen mit Krepp ab [2]. Genau diesen Schritt überspringen viele, und genau dieser führt beim Einweichen zum Kurzschluss.
  5. Soll die Deckentapete bleiben, durchtrenne die Kante zwischen Decke und Wand mit dem Cutter, sonst reißt sie mit ab [4].

Werkzeug

Was

Wofür

Breiter Spachtel oder Tapetenschaber

Bahnen anheben, Reste abschieben

Stachelwalze (Igelwalze, Tapetenwolf)

Perforieren

Drucksprüher oder Quast und Eimer

Einweichen

Tapetenlöser oder Spülmittel

in warmem Wasser

Cuttermesser

Kanten, Deckenübergang

Dampftapetenlöser (mieten)

hartnäckige Fälle, Decken

Müllsäcke

nasse Tapete ist schwer

Schwamm, Eimer

Kleisterreste

Schritt 3: Trocken versuchen

Hebe eine Ecke der Bahn mit dem Spachtel an und zieh sie langsam ab [4]. Bei Vlies kommt die ganze Bahn mit, bei Zweischichttapeten die Oberschicht [2]. Bleibt Trägerpapier zurück, das glatt und fest sitzt, kannst du es als Untergrund für deine neue Tapete lassen, solange es intakt ist [2]. Für einen Anstrich muss es allerdings runter.

Schritt 4: Perforieren

Fahre mit der Stachelwalze in Bahnen über die gesamte Fläche, und zwar ohne Druck. Die Nadeln reißen die Oberfläche an, sodass das Wasser eindringen kann [2][5]. Bei überstrichener oder Vinyltapete ist dieser Schritt Pflicht, weil die Oberfläche sonst wasserdicht bleibt [1][2]. Bei allen anderen beschleunigt er das Einweichen erheblich [1].

Niemals auf Gipskarton! Die Nadeln durchstoßen die Kartonschicht der Platte, und die löst sich dann gemeinsam mit der Tapete ab [5]. Mach es dort stattdessen so: Ritze die Tapete mit dem Cutter an mehreren Stellen leicht ein [6] oder arbeite ganz ohne Wasser (siehe unten).

Drücke übrigens nicht zu tief. Die Walze soll die Tapete öffnen, nicht den Putz.

Schritt 5: Einweichen

Mische warmes Wasser mit Tapetenlöser nach Packungsangabe oder mit einem kräftigen Schuss Spülmittel [2][7]. Spülmittel senkt die Oberflächenspannung und funktioniert bei Papier und Raufaser oft genauso gut wie der Spezialreiniger, es dauert nur etwas länger [7]. Trage die Mischung mit dem Drucksprüher satt auf, bis die Tapete glänzt. Bei kleinen Flächen nimm Quast oder Kleisterbürste [6][7].

Und dann: warten. Zumindest 15 bis 20 Minuten [4]. Bei Raufaser mit mehreren Farbschichten brauchst du 30 Minuten und mehr, und wenn nötig, sprich zwischendurch einfach nach [1]. Am besten arbeitest du in Abschnitten von etwa 2 Metern: Während ein Abschnitt einweicht, ziehst du den vorherigen ab. So ist die Tapete beim Abziehen immer richtig nass, und du stehst nicht in einem komplett triefenden Raum.

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So machst du die Probe: Setze den Spachtel an einer Ecke an. Löst sich die Bahn ohne Widerstand, ist sie fertig. Wenn nicht, nässe weiter [1][2].

Schritt 6: Abziehen

Hebe die Bahn oben mit dem Spachtel an und zieh sie langsam nach unten ab, möglichst in einem Stück [2]. Langsam ist hier wirklich wichtig, denn weiche Papierbahnen reißen bei Zug [1]. Ein Trick für breite Bahnen: Wickel die gelöste Oberkante um einen Besenstiel und rolle sie mit dem Stiel gleichmäßig ab. So bleibt in der Mitte weniger hängen [2].

Schiebe Reste mit dem Spachtel flach ab, steche nie hinein. Und bei jedem Widerstand gilt: nachsprühen statt kratzen.

Schritt 7: Dampf für die harten Fälle

Wenn das Einweichen nicht reicht, etwa bei mehrfach überstrichener Raufaser, alter Vinyltapete oder an der Decke, hilft dir ein Dampftapetenlöser [1][2][3]. Das Gerät bekommst du im Baumarkt zu mieten [2]. Halte die Dampfplatte etwa 20 Sekunden auf die perforierte Tapete, setze sie dann direkt daneben an und schabe die gedämpfte Stelle ab. Auch hier gilt: arbeite langsam und trage Handschuhe, der Dampf ist heiß.

Auf Gipskarton arbeite nur kurz und mit Vorsicht, auf Putz ist es unproblematisch. Bei Deckentapeten ist Dampf übrigens die einzige Methode, die nicht in Handarbeit über Kopf ausartet [3].

Sonderfall Gipskarton

Trockenbauwände vertragen weder Nadeln noch viel Wasser [5]. Wo die Tapete direkt auf ungrundiertem Gipskarton klebt, hast du drei Möglichkeiten:

  1. Vorsichtig feucht: Ritze die Tapete mit dem Cutter leicht ein, sprühe sparsam, warte kurz und ziehe ohne Kraft ab. Sobald der Karton irgendwo mitkommt, hörst du sofort auf.
  2. Trocken mit Schaber: Nimm die Oberflächenschicht mechanisch ab und überspachtele die Reste.
  3. Drauflassen und überspachteln: Bei fest sitzender Raufaser ist das oft die beste Lösung. Fixiere die Fläche mit Tiefgrund, dann spachtele vollflächig, schleife und grundiere.

Bevor du neu tapezierst, solltest du den Gipskarton mit Tapezier- oder Tapetenwechselgrund behandeln. So lässt sich die Tapete beim nächsten Mal ablösen, ohne dass du die Platte beschädigst [5].

Schritt 8: Wand nacharbeiten

  1. Wasche Kleisterreste mit warmem Wasser und einem Schwamm ab, sonst stören sie den Anstrich oder die neue Tapete.
  2. Lass die Wand trocknen, mindestens einen Tag.
  3. Spachtele Löcher und Risse und schleife die Spachtelstellen [1].
  4. Grundiere stark saugende oder sandende Stellen.

Wie es danach weitergeht, erfährst du in Wand streichen ohne Streifen und Auf Rigips tapezieren.

Mietwohnung: muss ich überhaupt?

Ob die Tapete beim Auszug runter muss, steht in deinem Mietvertrag. Viele Klauseln zu Schönheitsreparaturen sind unwirksam, aber viele sind es eben auch nicht. Lies den Vertrag, bevor du abreißt, oder frage den Mieterverein. Wenn du eine intakte Raufaser entfernst, obwohl der Vermieter sie behalten wollte, schaffst du dir damit nur Probleme.

Häufige Fehler

  1. Zu früh gekratzt. Das ist der häufigste Fehler und der Grund für den Frust [1].
  2. Nicht perforiert bei Vinyl oder überstrichener Tapete [1][2].
  3. Stachelwalze auf Gipskarton [5].
  4. Strom nicht abgeschaltet [2].
  5. Ganzen Raum auf einmal eingeweicht. Der erste Abschnitt trocknet wieder aus, bevor du überhaupt ankommst.
  6. Kleisterreste nicht abgewaschen.

Häufige Fragen

Kann ich einfach über die alte Tapete tapezieren oder streichen? Streichen ja, solange die Tapete überall fest sitzt. Neu tapezieren über alte Tapete ist riskant: Der Kleister weicht die alte Schicht auf, und dann kommt beides gemeinsam herunter.

Wie lange dauert das für ein Zimmer? Vlies: eine Stunde. Raufaser einfach überstrichen: ein halber Tag. Raufaser mehrfach überstrichen oder Vinyl: ein ganzer Tag, mit Dampf geht es schneller.

Reicht Wasser ohne Zusatz? Bei Papiertapete ja, es dauert nur länger. Spülmittel beschleunigt, Tapetenlöser noch etwas mehr [7].

Es bleibt ein Flaum auf der Wand. Das ist die Rückseite des Trägerpapiers. Nässe die Stelle noch einmal und nimm den Flaum mit dem Spachtel ab, dann wäschst du ihn ab.

Quellen

[1] selbst.de: "Tapete entfernen", Bildstrecke mit Anleitung. https://www.selbst.de/tapeten-entfernen-1849.html

[2] toom: "Tapete entfernen: So kannst du alte Tapeten abmachen". https://toom.de/selbermachen/bauen-renovieren/wand-decke/tapete-entfernen/

[3] Hornbach: "Tapete entfernen". https://www.hornbach.ch/projekte/tapete-entfernen/

[4] t-online: "Tapeten entfernen leicht gemacht: Tipps und Tricks". https://www.t-online.de/heim-garten/bauen/id_74347588/tapeten-entfernen-leicht-gemacht-tipps-und-tricks.html

[5] wohnglück: "Tapete entfernen", mit Abschnitt zu Raufaser auf Rigips. https://wohnglueck.de/artikel/tapete-entfernen-56420

[6] heimwerker.de: "Tapete entfernen und Wände vorbereiten". https://www.heimwerker.de/tapete-entfernen-und-waende-vorbereiten/

[7] web.de / Utopia: "Tapeten entfernen: Tipps". https://web.de/magazine/ratgeber/utopia/tapeten-entfernen-tipps-41732926

Hinweis: Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte und hängen von Tapete, Kleister und Untergrund ab.