Heizkörper entlüften: So machst du es richtig, Schritt für Schritt, inklusive Druckkontrolle
Dein Heizkörper gluckert, wird unten heiß und bleibt oben kalt? Dann ist ganz sicher Luft im Heizkörper. Diese Luftblase sammelt sich oben, verdrängt das Heizwasser und blockiert dort die Zirkulation [5]. Das bedeutet für dich: weniger Wärme, obwohl du denselben Betrag oder sogar mehr dafür bezahlst, weil deine Anlage einfach länger laufen muss [5].
Die gute Nachricht: Das Entlüften selbst dauert pro Heizkörper gerade mal zwei Minuten. Das Frustrierende an den meisten Anleitungen ist, dass sie genau dort aufhören, wo es eigentlich wichtig wird: beim Anlagendruck. Denn bei jedem Entlüften läuft etwas Heizwasser heraus und der Druck in deinem System sinkt [1]. Wenn du das ignorierst, stehen du eine Woche später wieder vor kalten Heizkörpern, diesmal aber im ganzen Haus.
Das Wichtigste in Kürze
- Entlüfte mindestens einmal im Jahr, am besten gleich zu Beginn der Heizsaison [2][3].
- Drehe die Thermostate auf, schalte die Umwälzpumpe aus und warte etwa zehn Minuten [3][4].
- Arbeite von unten nach oben, denn Luft steigt auf [1][4].
- Prüfe danach unbedingt den Anlagendruck. Die Faustformel lautet: Höhenunterschied in Metern mal 0,1 plus 0,5 bar [1].
- Als Mieter darfst du deine Heizkörper selbst entlüften. Alles an der Zentralheizung dagegen ist Sache deines Vermieters [3].
Woran du erkennst, dass Luft im Heizkörper steckt
- Du hörst Gluckern, Blubbern oder Rauschen, wenn der Heizkörper aufheizt [5]
- Der Heizkörper wird unten warm, oben bleibt er aber kalt [5]
- Der Raum wird nicht richtig warm, obwohl du das Thermostat voll aufgedreht hast
Achte auf die Richtung: Ist es umgekehrt, also oben warm und unten kalt, ist meist keine Luft schuld. Dann stecken eher Ablagerungen im Heizkörper oder ein Problem mit der Hydraulik deiner Anlage dahinter. Entlüften hilft in dem Fall leider nicht.
Wie kommt die Luft überhaupt hinein? Eigentlich ist ein Heizkreislauf ja geschlossen. In der Praxis schafft es trotzdem immer wieder Luft hinein [1], vor allem nachdem du Heizwasser nachgefüllt hast, nach langen Stillstandszeiten und durch Gase, die im Wasser gelöst sind [5].
Das brauchst du
Was | Wofür |
|---|---|
Entlüftungsschlüssel (Vierkant) | passt auf das Entlüftungsventil |
Kleines Gefäß oder Auffangbecher | austretendes Wasser auffangen |
Lappen oder altes Handtuch | Wand und Boden schützen |

Die Luft sammelt sich oben und verdrängt das Heizwasser. Das Entlüftungsventil sitzt oben, gegenüber dem Thermostat.
Schritt für Schritt
1. Dreh alle Thermostate voll auf
Drehe die Thermostate an allen deinen Heizkörpern ganz auf [3]. So sind die Ventile offen und die Luft kann sich frei im System bewegen und dort sammeln, wo du sie später rauslässt.
2. Schalte die Umwälzpumpe aus und warte
Solange die Pumpe läuft, schiebt sie die Luftblasen nur im Kreis herum, statt sie oben im Heizkörper zur Ruhe kommen zu lassen. Schalte sie deshalb ab und gib ihr etwa zehn Minuten Zeit [3][4].
Ein wichtiger Hinweis dazu: Das gilt nur, wenn du Zugriff auf deine eigene Anlage hast, also im Eigenheim oder bei einer Etagenheizung. In deiner Mietwohnung mit Zentralheizung schaltest du nichts ab, sondern fragst vorher deinen Vermieter oder die Hausverwaltung [4]. Entlüften funktioniert dort auch bei laufender Pumpe, nur eben etwas weniger gründlich.
3. Fang unten an
Beginne im untersten Stockwerk und arbeite dich etagenweise nach oben [1][4]. Warum? Weil Luft im System nach oben steigt. Wenn du oben anfängst, schiebst du die Restluft nur in die Heizkörper zurück, die du schon entlüftet hast [5].

Pumpe aus, dann von unten nach oben: Luft steigt im System auf.
4. Öffne das Ventil
Das Entlüftungsventil sitzt meist oben am Heizkörper, auf der Seite gegenüber dem Thermostat [4]. Stelle das Gefäß darunter, setze den Schlüssel an und drehe langsam gegen den Uhrzeigersinn, bis es zu zischen beginnt [4]. Eine viertel bis halbe Umdrehung reicht völlig. Und ganz wichtig: Dreh das Ventil niemals ganz heraus.
Vorsicht, heiß: Das austretende Wasser kann sehr heiß sein. Halte Kinder während des Entlüftens besser aus dem Raum fern [4].
5. Schließe, sobald Wasser kommt
So läuft es ab: Erst entweicht Luft, dann spritzt es, und irgendwann kommt ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Zischen. Genau in diesem Moment drehst du das Ventil im Uhrzeigersinn wieder zu [4]. Merke dir: Je weniger Wasser du ablässt, desto weniger sinkt der Druck.
Keine Sorge übrigens, falls das Wasser dunkel verfärbt ist und unangenehm riecht. Das ist bei Heizungswasser völlig normal.

Erst zischt Luft, dann spritzt es, bei gleichmäßigem Wasserstrahl sofort schließen.
6. Schalte die Pumpe wieder ein
Sind alle deine Heizkörper durch, schaltest du die Umwälzpumpe wieder ein [3].
7. Prüfe den Anlagendruck
Jetzt kommt der Schritt, den die meisten Leute einfach vergessen. Schau auf das Manometer am Heizkessel oder auf das Display deines Wärmeerzeugers. Viele Manometer haben übrigens farbige Markierungen, die dir den Sollbereich zeigen [1].
So berechnest du den richtigen Druck [1]:
Systemdruck = Höhenunterschied zwischen Wärmeerzeuger und höchstem Heizkörper (in Metern) × 0,1 + 0,5 bar
Beispiel: Liegt der höchste Heizkörper 10 Meter über dem Kessel, ergibt das 10 × 0,1 = 1,0 bar Mindestdruck plus 0,5 bar Reserve, also 1,5 bar [1]. In den meisten Häusern liegt der Wert zwischen 1 und 2 bar [1]. Maßgeblich sind die Betriebsanleitung und die Markierung an deiner Anlage [4].

Faustformel für den Solldruck: Höhe bis zum höchsten Heizkörper mal 0,1 plus 0,5 bar. Maßgeblich bleibt die Markierung an deiner Anlage.
8. Fülle bei Bedarf Wasser nach (oder lass es nachfüllen)
Ist der Druck zu niedrig, muss Heizungswasser nachgefüllt werden. Viessmann rät davon ab, das selbst zu machen, und empfiehlt, es einem Fachbetrieb zu überlassen. Der Grund: Bei unsachgemäßer Ausführung drohen Schäden durch ungeeignetes Wasser [1]. Drei Punkte sind dabei entscheidend [1]:
- Das Füllwasser muss klar sein und den Vorgaben der VDI-Richtlinie 2035 entsprechen.
- Die Trinkwasserverordnung muss eingehalten werden.
- Heizungswasser darf auf keinen Fall in den Trinkwasserkreislauf gelangen. Dafür sorgt ein Systemtrenner an der Füllarmatur [2].
Wenn du es selbst machst und darin schon geübt bist, dann achte auf Folgendes: Fülle den Schlauch vor dem Anschließen vollständig mit Wasser, damit du keine neue Luft ins System spülst. Fülle dann langsam bis zum Sollwert, schließe die Ventile und entlüfte deine Heizkörper zur Sicherheit noch einmal [1]. Nach dem Befüllen sollte der Druck konstant bleiben und nicht unter 1,3 bar fallen [1].
9. Kontrolliere am nächsten Tag
Im ersten Durchgang bleibt fast immer etwas Restluft zurück. Das ist ganz normal. Es ist üblich, Entlüften und Druckkontrolle ein bis zwei Mal zu wiederholen und am Folgetag zu schauen, ob der Druck stabil geblieben ist [5].
Wenn der Druck immer wieder fällt
Musst du ständig nachfüllen, dann ist irgendwo ein Defekt [2]. Die häufigsten Ursachen neben einer Undichtigkeit: Der Vordruck des Ausdehnungsgefäßes stimmt nicht mehr, oder die Membran ist defekt und das Gefäß ist voll Wasser gelaufen [1]. Das ist ein klarer Fall für deinen Heizungsbauer und wird normalerweise bei der Wartung geprüft [1].
Was du als Mieter darfst und was nicht
Deine eigenen Heizkörper zu entlüften ist als Mieter ausdrücklich erlaubt [3]. Die Instandhaltung der Heizungsanlage liegt dagegen bei deinem Vermieter [3]. Praktisch heißt das für dich:
- Erlaubt: Das Entlüftungsventil am eigenen Heizkörper öffnen und schließen.
- Nicht deine Aufgabe: Pumpe abschalten, Druck korrigieren, Wasser nachfüllen. Melde einen zu niedrigen Druck oder anhaltend kalte Heizkörper einfach der Hausverwaltung oder dem Hausmeister [3].
- Kostenfalle: Rufst du auf eigene Faust einen Handwerker und das Problem stellt sich als Kleinigkeit heraus, bleibst du eventuell auf den Kosten sitzen [3]. Also lieber erst melden, dann handeln.
Noch etwas solltest du wissen: Auch in einem Mehrfamilienhaus hat das Entlüften in einer einzelnen Wohnung seine Grenzen. Sitzt die Luft im Strang oder fehlt Druck in der Gesamtanlage, kommt sie immer wieder zurück.
Häufige Fehler
- Pumpe läuft weiter. Die Luft wird im Kreis geschoben und sammelt sich nicht.
- Oben angefangen. Restluft wandert in fertige Heizkörper [5].
- Zu viel Wasser abgelassen. Der Druck fällt unnötig stark.
- Druck nicht kontrolliert. Der häufigste Fehler überhaupt.
- Mit dem Gartenschlauch nachgefüllt, ohne ihn vorher zu fluten. So kommt die nächste Luft gleich mit hinein [1].
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich entlüften? Mindestens einmal im Jahr [2], am sinnvollsten zu Beginn der Heizsaison [3], und immer dann, wenn ein Heizkörper gluckert oder oben kalt bleibt.
Mein Heizkörper hat gar kein Entlüftungsventil. Was mache ich jetzt? Das kommt bei sehr alten Heizkörpern vor. Bei intakten Heizkörpern lohnt es sich, ein Entlüftungsventil nachrüsten zu lassen [4].
Es kommt nur Luft und gar kein Wasser. Ist das schlimm? Tritt sehr viel Luft aus oder kommt gar kein Wasser nach, ist wahrscheinlich dein Anlagendruck zu niedrig. Schließe das Ventil und prüfe den Druck. In der Mietwohnung informierst du am besten die Hausverwaltung.
Spart Entlüften wirklich Heizkosten? Ein luftgefüllter Heizkörper gibt weniger Wärme ab, und deine Anlage versucht das über längere Laufzeiten auszugleichen [5]. Wie viel das im Einzelfall ausmacht, hängt von der Anlage ab. Seriöse Prozentangaben gibt es dafür kaum, und wir nennen deshalb bewusst keine.
Quellen
[1] Viessmann Climate Solutions: "Bei der Heizung Wasser nachfüllen: Gründe und Anleitung", zuletzt geändert 29.06.2026. https://www.viessmann.de/de/wissen/anleitungen-und-tipps/heizungswasser-nachfuellen.html
[2] Bosch Home Comfort: "Heizungs-Wasser nachfüllen", Stand 07/2026. https://www.bosch-homecomfort.com/de/de/wohngebaeude/wissen/heizungsratgeber/heizung-wasser-nachfuellen/
[3] dein-heizungsbauer.de: "Heizkörper entlüften: Schritt-für-Schritt Anleitung", Stand 05/2026. https://www.dein-heizungsbauer.de/ratgeber/wartung/heizkoerper-entlueften-anleitung/
[4] heizsparer.de: "Heizung entlüften", mit Verweis auf Empfehlungen der Verbraucherzentrale, Stand 05/2026. https://www.heizsparer.de/spartipps/heizkosten/heizung-entlueften
[5] Bauprofi-Magazin: "Heizkörper entlüften: Anleitung & Tipps zum Druck", Stand 06/2026. https://bauprofi-magazin.de/heizkoerper-entlueften-so-gehts/
Hinweis: Arbeiten an der Heizungsanlage selbst, insbesondere das Nachfüllen, gehören im Zweifel in die Hand eines Fachbetriebs. Maßgeblich ist immer die Betriebsanleitung deiner Anlage.
