Hauspflege

Richtig lüften im Winter: So machst du es konkret

Wie lange sollte man bei welcher Außentemperatur lüften? Welcher Luftfeuchtigkeitswert ist ideal, und weshalb ist Kipplüften im Winter eine falsche Methode? Sämtliche Angaben mit Quellenangaben

Richtig lüften im Winter: So machst du es konkret

Jeder Ratgeber sagt: „Lüfte regelmäßig!" Aber wie lange, wie oft und bei welcher Außentemperatur? Kaum jemand verrät es dir. Genau diese Zahlen habe ich hier gesammelt. Sie stammen aus Empfehlungen von Behörden und Verbraucherschützern, und ich erkläre dir auch, warum sie so klingen, wie sie klingen.

Zuerst das Wichtigste

  • Täglich gibt ein Vier-Personen-Haushalt sechs bis zwölf Liter Wasser an die Raumluft ab [1].
  • Als Zielbereich für die relative Luftfeuchtigkeit gelten 40 bis 60 Prozent [1][2].
  • Übersteigt die Feuchte länger 70 Prozent, kann Schimmel entstehen, und an kalten Wänden erreichst du diesen Wert viel früher als in der Raummitte [2].
  • Lüfte mit dem Fenster ganz geöffnet statt nur gekippt, bei Frost reichen maximal fünf Minuten [2].
  • Dreh den Heizkörperthermostat während des Lüftens zu [1].

Warum Lüften im Winter überhaupt funktioniert

Es klingt paradox, bei nasskaltem Wetter zu lüften, um die Wohnung zu trocknen. Der Grund liegt in der Physik. Kalte Luft kann nur wenig Wasserdampf aufnehmen. Auch wenn sie draußen feucht wirkt, enthält sie in absoluten Zahlen sehr wenig Wasser. Strömt sie in deine Wohnung und erwärmt sich dort, sinkt ihre relative Feuchtigkeit stark, und sie kann wieder Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen. Beim nächsten Lüften trägst du diese Feuchte dann nach draußen. Das Umweltbundesamt fasst es so zusammen: Frische Luft ersetzt die verbrauchte, Feuchtigkeit wird abtransportiert, und das Schimmelrisiko sinkt [3].

Woher kommt eigentlich die ganze Feuchte in deiner Wohnung? Vom Atmen, Kochen, Duschen, vom Wäschetrocknen und von deinen Zimmerpflanzen. Bei vier Personen sind das sechs bis zwölf Liter am Tag [1]. Je mehr Menschen und Pflanzen, desto höher der Wert [1].

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Die richtige Luftfeuchtigkeit

Es werden 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit empfohlen [1][2]. Das ist aber nicht festgeschrieben für jedes Haus und jeden Tag [2]:

  • Je kälter es draußen ist, desto trockener sollte die Raumluft sein. Je kälter es draußen ist, desto trockener sollte deine Raumluft sein. An kalten Wintertagen sind die Wandoberflächen kühler, und dort kondensiert Feuchtigkeit früher.
  • Im Altbau niedriger als im Neubau. Im Altbau solltest du niedrigere Werte anstreben als im Neubau, denn schlecht gedämmte Außenwände sind innen kälter. In Altbauten hältst du die Luftfeuchtigkeit deshalb generell besser niedriger als in gut gedämmten Neubauten.
  • Die Raummitte täuscht. Und jetzt der wichtigste und zugleich am wenigsten bekannte Punkt: Die Raummitte täuscht. Schimmel kann sich bilden, wenn über längere Zeit mehr als 70 Prozent relative Feuchte herrschen. An kühlen Wänden erreichst du diesen Wert auch dann, wenn die Luft in der Raummitte noch angenehm trocken wirkt.

Vielleicht kennst du das: Dein Hygrometer auf dem Wohnzimmertisch zeigt 55 Prozent an, und trotzdem schimmelt irgendwann die Außenecke hinter dem Schrank. Warum? Weil die Luft dort an der kalten Wand abkühlt und ihre relative Feuchte lokal auf über 70 Prozent steigt.

Praxis-Tipp: Stell dein Hygrometer nicht in die Raummitte, sondern in die Nähe der kältesten Außenwand. Und wenn sich Kondenswasser an deinen Fensterscheiben bildet, ist das ein klares Warnsignal für zu hohe Luftfeuchtigkeit [1].

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Wie lange lüften? Die Tabelle

Wie lange du lüften solltest, hängt von der Außentemperatur ab. Je größer der Temperaturunterschied, desto schneller tauscht sich die Luft aus, und desto kürzer reicht das Lüften. Ein aktuelles Faltblatt der Landeshauptstadt Wiesbaden nennt folgende Werte für das Stoßlüften [2]:

Außentemperatur

Empfohlene Lüftungsdauer

kühler als +5 °C

maximal 5 Minuten

+5 bis +10 °C

5 bis 10 Minuten

+10 bis +15 °C

10 bis 15 Minuten

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Mit Querlüften, also gleichzeitig geöffneten gegenüberliegenden Fenstern, geht es noch schneller: In einem normal großen Raum genügen dann etwa drei Minuten [1].

Länger zu lüften bringt dir im Winter übrigens nichts. Nach wenigen Minuten ist die Luft ausgetauscht, danach kühlen nur noch Wände und Möbel aus. Und genau das willst du vermeiden.

Wie oft lüften?

  • Aufenthaltsräume drei- bis viermal täglich [1]
  • Mindestens morgens und abends, so der Rat des Bundesumweltministeriums [1]
  • Nach dem Kochen, Baden oder Duschen sofort [1]
  • Schlafzimmer vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen [1]

Bist du tagsüber nicht zu Hause, produzierst du in dieser Zeit auch kaum Feuchtigkeit. Dann reichen in der Regel morgens und abends gründliche Lüftungsrunden.

Warum Kipplüften im Winter ein Fehler ist

Das Umweltbundesamt ist hier ganz klar: Ein gekipptes Fenster führt nicht zu einem ausreichenden Luftaustausch, auch wenn es den ganzen Tag gekippt bleibt [3]. In der kalten Jahreszeit entweicht dabei unnötig Wärme [3]. Das eigentliche Problem kommt danach: Fensterlaibung und angrenzende Wand kühlen stundenlang aus, auf den kalten Flächen kondensiert die Raumluftfeuchte, und über kurz oder lang bildet sich dort Schimmel [3].

Dauerkippen ist also doppelt schlecht. Es kostet dich Heizenergie und fördert Schimmel genau an der Stelle, an der man ihn am häufigsten findet: rund ums Fenster.

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Heizung beim Lüften: auf oder zu?

Mach sie lieber zu. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, das Thermostatventil während des Lüftens komplett zu drehen [1]. Warum? Dein Thermostat misst die Temperatur im Raum. Wenn kalte Luft direkt darüber strömt, denkt es, es sei eiskalt im Zimmer, öffnet das Ventil voll und deine Heizung heizt fröhlich zum offenen Fenster hinaus [1]. Danach stellst du es einfach wieder auf deinen gewohnten Wert. Übrigens: Viele moderne elektronische Thermostate erkennen ein offenes Fenster von selbst und erledigen das für dich.

Lass die Räume nicht zu stark auskühlen

Lüften allein reicht übrigens nicht, deine Wohnung sollte trotzdem schön warm bleiben. Kalte Luft kann einfach weniger Feuchtigkeit aufnehmen, und kalte Wände sind perfekte Kondensationsflächen. Die Expertinnen und Experten für Sanierung raten deshalb, im Winter die Raumtemperatur nie unter 16 Grad fallen zu lassen [3]. Das gilt auch für Räume, in denen du dich selten aufhältst, und genauso fürs Schlafzimmer. Halte außerdem die Türen zu kühleren Räumen geschlossen, sonst zieht die warme, feuchte Luft dahin und setzt sich an den kalten Wänden ab.

Deine Checkliste für den Alltag

  1. Morgens nach dem Aufstehen: Schlafzimmer und Bad, Fenster ganz auf, Thermostat zu.
  2. Nach dem Duschen: sofort lüften, Badtür dabei geschlossen halten.
  3. Nach dem Kochen: Küche lüften, Tür zu den anderen Räumen zu.
  4. Abends vor dem Schlafengehen: noch einmal durchlüften.
  5. Bei Frost: fünf Minuten genügen.
  6. Möbel an Außenwänden mit einigen Zentimetern Abstand aufstellen, damit die Luft dahinter zirkulieren kann.
  7. Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen. Wenn doch, in einem beheizten Raum und mit zusätzlichem Lüften.

Wann Lüften allein nicht mehr hilft

Wenn trotz deinem konsequenten Lüften und Heizen immer wieder Schimmel auftaucht, liegt das Problem höchstwahrscheinlich am Gebäude selbst: vielleicht eine Wärmebrücke, ein Wasserschaden, aufsteigende Feuchte oder eine undichte Fuge. Dann hilft dir auch das beste Hygrometer nicht mehr weiter, sondern nur eine gründliche Ursachensuche durch Fachleute. Als Mieterin oder Mieter meldest du den Schaden am besten schriftlich an deinen Vermieter und dokumentierst parallel dein Lüftungsverhalten, zum Beispiel mit einem Hygrometer, das die Werte speichert.

Häufige Fragen

Bringt Lüften bei Regen oder Nebel überhaupt etwas? Im Winter definitiv ja. Auch bei Regen enthält die kalte Außenluft absolut gesehen nur wenig Wasser, und wenn du sie in der Wohnung erwärmst, wird sie richtig trocken.

Und im Sommer im Keller? Da ist es genau umgekehrt. Warme Sommerluft enthält viel Wasser, das an den kühlen Kellerwänden kondensiert. Lüfte den Keller im Sommer also nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen, also nachts oder ganz früh am Morgen.

Wie viel Luftfeuchtigkeit ist zu wenig? Unter 40 Prozent empfinden die meisten die Luft als unangenehm trocken. Der empfohlene Bereich beginnt deshalb bei 40 Prozent [1][2].

Brauche ich wirklich ein Hygrometer? Ja, denn es ist das einzige Mittel, mit dem du sehen kannst, ob dein Lüften überhaupt wirkt [1]. Ohne Messung lüftest du nach Gefühl, und das Gefühl täuscht bei Luftfeuchtigkeit fast immer.

Quellen

[1] Öko-Test: "Richtig lüften im Winter: So vermeiden Sie Schimmel", mit Verweis auf Empfehlungen des Bundesumweltministeriums und der Verbraucherzentrale, Stand 01/2026. https://www.oekotest.de/bauen-wohnen/Richtig-lueften-im-Winter-So-vermeiden-Sie-Schimmel_11709_1.html

[2] Landeshauptstadt Wiesbaden: Faltblatt "Richtig Lüften", Februar 2026. https://www.wiesbaden.de/pressemitteilungen/pressereferat/februar/260217-Faltblatt-Richtig-Lueften.php.media/338570/260217-Faltblatt-Richtig-Lueften.pdf

[3] ISOTEC GmbH: Pressemitteilung "Auch im Winter richtig lüften", mit wörtlichen Zitaten aus einer Empfehlung des Umweltbundesamtes. https://www.presseportal.de/pm/54519/5131442

Hinweis: Die Werte sind Richtwerte. Wie viel Luftfeuchtigkeit ein Gebäude verträgt, hängt von Bauweise und Dämmstandard ab.